Bugenhagen-Messe am 12. Juni 2008 in St. Marien, Greifswald
![]() St. Marien vor 1678 |
Wie wurde in Pommern nach der Reformation Gottesdienst gefeiert? Dieser Frage gingen Prof. Dr. Matthias Schneider und Beate Bugenhagen vom Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Universität Greifswald im Bugenhagen-Jahr 2008 nach.
Ziel ihrer Forschungen ist die Rekonstruktion eines sonntäglichen Messgottesdienstes nach der Ordnung des pommerschen Reformators Johannes Bugenhagen. Die Kirchenordnung, die der Reformator 1535 für Pommern schrieb, war nicht seine einzige. Schon zuvor hatte er Ordnungen für Braunschweig, Hamburg und Lübeck verfasst, weitere sollten folgen. In den Ordnungen beschrieb Bugenhagen zwar den grundlegenden Ablauf des Gottesdienstes, dennoch bleiben viele Fragen offen: Wie lief der Messgottesdienst genau ab, welche Musik ist während der Messe erklungen, welche Rolle kam der Gemeinde im Gottesdienst zu, in welcher Weise waren Organist, Kantor und die Chorsänger der Lateinschule am Messgottesdienst beteiligt?
![]() Titelblatt der Kirchenordnung 1542 |
Um diese Fragen zu beantworten, nahmen die beiden Wissenschaftler liturgiewissenschaftliche und musikhistorische Untersuchungen anhand zeitgenössischer Quellen vor. Dazu zählen nicht nur die verschiedenen Kirchenordnungen des pommerschen Reformators, sondern außerdem in Pommern gebräuchliche Gesangbücher sowie Sammlungen mit mehrstimmiger Vokalmusik, wie sie im Gottesdienst des 16. Jahrhunderts hierzulande wahrscheinlich erklungen ist. Überliefert sind beispielsweise zahlreiche Musikalien des Stralsunder Kantors Eucharius Hoffmann.
Plattdeutsche Predigt in der Bugenhagen-Messe (280 KB)
![]() Johannes Bugenhagen an der Kanzel von St. Marien |
Eine besondere Herausforderung stellt die niederdeutsche Sprache dar, in der die Texte und Gesänge zum großen Teil verfasst sind. Mit Hilfe ihrer Kollegen vom Pommerschen Wörterbuch gingen die beiden Forscher der Bedeutung niederdeutscher Begriffe nach und suchten den Klang von gesprochener und gesungener Sprache zu rekonstruieren.
Wie solch ein niederdeutscher Gottesdienst geklungen hat, das konnte man am 12. Juni 2008 in der Greifswalder St. Marienkirche hören, als Beate Bugenhagen und Matthias Schneider ihre Ergebnisse in einer „Bugenhagen-Messe“ präsentierten. Darin ließen sie die kirchliche Praxis der Reformationszeit wieder erlebbar werden und luden die Besucher ein, sich im Singen niederdeutscher Kirchenlieder aktiv daran zu beteiligen. Mit der Veranstaltung wurde zugleich die Bugenhagen-Ausstellung in der Marienkirche sowie die diesjährige 62. Greifswalder Bachwoche eröffnet.
![]() Matthias Schneider beim Vortrag über die Bugenhagen-Messe. Fotos: Neumann |
Darüberhinaus haben Schneider und Bugenhagen am 21. Juni 2008 im Rahmen des von der Theologischen Fakultät veranstalteten Symposions ‚Durch’s Wort allein. Johannes Bugenhagen und die reformatorische Kraft des Wortes’ über ihr Vorgehen und ihre Erfahrungen bei der Rekonstruktion der Messe berichtet.
Kontakt:
matthias.schneider
uni-greifswald.de
beate.bugenhagen
uni-greifswald.de
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