Reformationsjubiläum 1985
Der 9. Kirchentag der Evangelischen Landeskirche Greifswald "Durch den Glauben reich sein" fand vom 21. bis 23. Juni 1985 statt.
In Greifswald fanden eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Thema Durch den Glauben reich sein statt.
Der Startabend für den Kirchentag begann am 21. Juni um 19.30 Uhr in der St. Marienkirche. Musik und Spielszenen stimmten auf das Geschehen des Kirchentages ein: "Wir begegnen der Vergangenheit aus der wir kommen; uns beschäftigt die Gegegnwart in der wir leben; wir suchen Hoffnung, die uns trägt."
In den großen Foren am Sonnabend, dem 22. Juni 1985, die im Kreiskulturhaus, in der Jacobikirche und in der Marienkirche stattfanden, wurde das Thema des Kirchentages in Bibelarbeit, Vortrag und Gespräch entfaltet.
Der Kirchentagssonntag am 23. Juni war von den Gottesdiensten geprägt, die in den Kirchen Greifswalds und auf dem "Platz der Freundschaft" (Marktplatz) stattfanden. Auf dem Gelände der Odebrechtstiftung fand ein Kinderkirchentag statt. Um 14 Uhr fand auf dem Marktplatz eine Abschlußveranstaltung statt. Hierzu fuhr eigens ein Sonderzug "Johannes Bugenhagen" von Rostock nach Greifswald.
Am 24. Juni fand eine Festsitzung der Landessynode in St. Jacobi statt. Pastorin Brigitte Metz (Usedom) hielt einen Vortrag zum Thema: "Grundzüge im reformatorischen Wirken Johannes Bugenhagens"
Die Landessynode beschloß dabei eine Erklärung zum 500. Geburtstag von Johannes Bugenhagen.
Um 17 Uhr schloß dieser Tag mit einem Festgottesdienst in St. Marien mit einer Predigt von Bischof Dr. Horst Gienke.
Durch den Glauben reich sein
Das Vorwort zum Kirchentagsheft 1985
"Durch den Glauben reich sein" heißt, leben zu können aus dem und mit dem, was Gott mir gibt. Mein leben ist ein Geschenk. Ich bin dafür dankbar. Es lohn sich zu leben. Ich sehe auch die Not dessen, der Mühe und Last hat mit dem Leben. Ich teile sie und helfen mir, sie zu überwinden. Durch den Glauben an den Gekreuzigten entdecke ich auch im Leben Spuren Gottes und im Verzicht Chancen des Lebens, die mich nicht ärmer werden lassen.
"Durch den Glauben reich sein" heißt, Liebe empfangen zu haben, wo eigentlich Strafe verdient wäre. Gott läßt Gnade vor Recht ergehen. Im Zusammenleben kann ich nun meine Hand ausstrecken und nicht meine Faust. Der Geduldsfaden hält.
"Durch den Glauben reich sein" heißt, die lähmende Angst ist mir abgenommen. die aus der Erfahrung sinn- und auswegloser Lebensorientierung kommt und die viel Leben tötet schon vor dem Sterben. Gott nimmt mir die Sorge um mich selbst ab. Ich bin kein Karussell, das sich immer nur um sich selber dreht. Ich kann ausbrechen und aufbrechen zu anderen Menschen. Freilich kennt auch der Glaubende Angst. Sie ist meine Not. Aber die Hoffnung auf Jesus hilft mir, damit zu leben. Wenn es um die entscheidenden Fragen geht, stehe ich nicht mehr vor verschlossener Türe.
"Durch den Glauben reich sein" heißt, um den Reichtum einer Liebe zu wissen, die oft schwach und angefeindet ist. Wenn ich diese Liebe weitergebe, sitze ich mitunter zwischen den Stühlen. Dennoch weiß ich in der Nachfolge Jesu, daß ich verbunden und verbündet bin mit der einzigen Wirklichkeit, die Leben will und Leben schaffen kann.
Darum gibt es keine Bereiche, in denen ich arm und einsam und verlassen bin., so unbequem und unbeliebt der Weg des Glaubens auch sein mag; etwa im Bereich der Sorge für den Frieden der der Bemühungen für die Rettung der Umwelt.
Schließlich aber gilt für die Hoffnung, aus Glauben reich zu sein: Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben. Ich bete darum, daß ich auch mit meinem dürftigen, schüchternen, schwankenden Glauben bei Gott eine Zukunft habe, einzig um seiner grenzenlosen Liebe willen, die er durch Jesus Christus mir bezeugt.
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