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Pommersche Evangelische Kirche
Reformator Johannes Bugenhagen (1485 - 1558) - Gedenken 2008

Auf der Suche nach wahrer Frömmigkeit – Biographische Studien zu Johannes Bugenhagen

 

Unter dem Titel „Johannes Bugenhagen Pomeranus – Nachgelassene Studien zur Biographie“ sind jetzt Aufsätze von dem 2006 verstorbenen Greifswalder Kirchenhistoriker Hans-Günter Leder erschienen. Zweiter Teil des 287seitigen Bandes ist eine von Irmfried Garbe erstellte umfangreiche Bibliographie zur Johannes-Bugenhagen-Forschung.

 

In zwei Studien geht Leder den Weg Bugenhagens vom biblischen Lektorat in Belbuck über die reformatorische Wende in Treptow bis zur Ausbildung des reformatorischen Selbstverständnisses des „Dr. Pommer“, wie Bugenhagen im Kreise der Reformatoren genannt wurde und sich zeitlebens selbst nannte, nach. Deutlich wird, wie der Reformer sich zum Reformator wandelte.

Seinem Wesen waren „ausgeprägte Bedächtigkeit und umsichtiges Verhalten“ eigen, so Leder. Dem entsprach auch der Weg, der ihn äußerlich von Treptow nach Wittenberg und innerlich von der Sakramentsfrömmigkeit mit der er aufgewachsen war, zur reformatorischen Lehre allein aus Glauben führte. Frühes Ferment dazu waren die Erasmusstudien, die er als Bibelhumanismus auch in seiner Lehre an seine Schüler in Treptow weitergab. Auf seiner Suche nach echter Frömmigkeit wurde Bugenhagen zum Reformer, wie es eine Festpredigt vom Sommer 1520, die „eher den Charakter einer Bußpredigt als eine Festpredigt“ hatte, aufzeigt.

Auf diesem Hintergrund las er im Herbst 1520 Luthers Schrift von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche. Dieses war, so Leder, „die Initialzündung“ einer Entwicklung, die er biographisch nachzeichnet. Umsichtiges Verhalten in der Bewertung von Luthers Erkenntnis und Person ist auch bei Bugenhagens erstem Schreiben aus Wittenberg an seine Schüler in Treptow zu spüren. Ein Kreis, der die „erste wirksame Keimzelle reformatorischer Bewegung in Pommern“ bildete, denn fast alle traten danach, reformatorisch initiativ werdend, in Erscheinung.

Leder zeigt durchgängig Bugenhagens Grunderkenntnis, daß die Reform der Kirche mit „der Verkündigung des Evangeliums [einsetzt], das als Lehre Christi auf Verbesserung des christlichen Lebens zielt.“

Dies wird beispielhaft deutlich in der Studie über Bugenhagens Aufenthalt in Lübeck von Oktober 1530 bis April 1532. Der Aufenthalt dauerte nicht nur von den Erfordernissen Lübecks her so lange, sondern auch, weil Walburga Bugenhagen dort eine Tochter zur Welt brachte. Das verstand sogar der auf baldige Rückkehr drängende Luther in Wittenberg. In der Studie zeigt Leder in Miniatur, wie ortsspezifisches Handeln Bugenhagens in seiner kirchenordnenden Tätigkeit aussah. Hier, wie vorher in Braunschweig und Hamburg begann Bugenhagen „zunächst mit einer lebhaften Predigttätigkeit.“ Leder stellt eindrucksvoll den Prozeß der Neuordnung in der Veränderung des politischen Gewichtes der Kräfte in der Hansestadt dar und das darauf eingehende Handeln Bugenhagens. Der Lübecker Kirchenordnung von 1532 – in niederdeutscher Sprache abgefaßt – hat er die Dreiteilung in „Schulwesen, Predigt/Gottesdienst [und] Armenfürsorge“ gegeben, diese müssen, so Bugenhagen „in dieser guten Stadt versorgt sein.“ Aufschlußreich in dieser Studie auch der längere Exkurs der Beziehungen Bugenhagens zur Rostocker Reformation durch Johannes Slüter und der Bericht über zwei Besuche von Rostocker Predigern in Lübeck.

In zwei weiteren Studien widmet sich Leder dem Wirken Bugenhagens in seinem Stadtpfarramt in Wittenberg, wo die Abwesenheit des Reformators auch durch Luthers Vertretung nicht aufgefangen werden konnte. Sichtbar werden auch die Meinungsunterschiede sowie die intensive Gesprächskultur von Melanchthon, Bugenhagen und Luther. So mußte etwa die „verbindliche geordnete Berufung der evangelischen Geistlichen“ sowie deren Ordination neu geregelt werden. Hier vertrat Bugenhagen gegen Luther – wie in der Hamburger, der Lübecker und in der pommerschen Kirchenordnung geregelt – die Auffassung, daß die Ordinationshandlung „vor Ort, also in der jeweiligen Gemeinde erfolgen“ solle. Leder weist auch auf die vielen Detailfragen hin, die die Reformatoren meist auf Anfrage klären mußten, etwa das Verhältnis von lateinischer und deutscher Sprache im Gottesdienst, die Verwendung bisheriger liturgischer Gewänder oder die Elevation der Elemente beim Abendmahl.

Der Aufsatzband wird mit einer Betrachtung zu Bugenhagens Wappen und dessen Rezeptionsgeschichte abgeschlossen. Bugenhagen hat sein Wappen – die Harfe Davids –, das er auf dem Hintergrund der Bedeutung seiner Psalmenauslegungen entwickelte, in den Drucken übrigens kaum verwendet.

 

Nach der Lektüre der nachgelassenen Studien ist es zu bedauern, daß Hans-Günther Leder sein Vorhaben einer Bugenhagen-Biographie nicht verwirklicht hat. Umso dankbarer kann man über die beiden Bände mit biographischen Studien sein.

 

Ein gewichtiger Beitrag zur Bugenhagenforschung gibt der Greifswalder Kirchenhistoriker Irmfried Garbe mit der 80seitigen Bibliographie zur Bugenhagen-Forschung – einer wahren Fundgrube zur Weiterarbeit. Die letzte Übersicht hatte Hans-Günther Leder vor genau 50 Jahren erstellt. Garbe übernahm die sachthematische Gliederung Leders und ergänzte sie durch eine Übersicht über Lexikonartikel. In über 40 Rubriken hat Garbe die wichtigsten Beiträge, mit Hauptaugenmerk auf der Forschungsliteratur, zusammengestellt.

 

Rainer Neumann

 

 

Hans-Günter Leder

Johannes Bugenhagen Pomeranus – Nachgelassene Studien zur Biographie mit einer Bibliographie zur Johannes Bugenhagen-Forschung.

Herausgegeben von Irmfried Garbe und Volker Gummelt.

 

Greifswalder theologische Forschungen 15

Peter Lang – Internationaler Verlag der Wissenschaften

Frankfurt am Main, 2008

ISBN 978-3-631-58331-9

39,80 EUR